Viel Raum für Pflanzen, Tiere und Menschen: Der Garten von Heidi und Günter Ebersberger

Wenn man die Esbacher Straße ortsauswärts bis fast zum Ende geht, sieht man auf der rechten Seite ein großes helles Wohnhaus mit grünen Fensterläden. Es liegt etwas zurückgesetzt hinter einem mit Bäumen und Sträuchern bestandenen Areal. Betritt man das Grundstück, so fällt einem als erstes die Großzügigkeit und Weiträumigkeit der gesamten Anlage auf.

„Das ist mir wichtig“, sagt Heidi Ebersberger. „Dass wir hier Raum haben. Raum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Man sieht ganz verschiedene Räume und Plätze im Garten und im Hof, wo man sich aufhalten kann, wo man miteinander essen, reden, feiern kann und wo man auch den Blickwinkel verändern kann.“

Heidi und Günter Ebersberger haben das Anwesen im Jahr 2000 gekauft und es seitdem umfangreich saniert. Auch der Außenbereich wurde komplett neugestaltet. Sehen wir uns seine unterschiedlichen Räume und Plätze etwas genauer an. Jeder von ihnen hält für den Besucher Überraschungen bereit.

Da ist der zunächst etwas nüchtern wirkende Hofbereich entlang der Westseite des Wohnhauses. Erst wenn man weit in ihn hineingegangen ist, bemerkt man, dass er mehrere schöne Sitzplätze aufweist. Jeder Platz ist anders, jeder wird von Pflanzen eingerahmt, der erste etwa von einer Reihe majestätischer afrikanischer Schmucklilien (Agapanthus). Auch Tiere kommen auf ihre Kosten: Über einem überdachten Sitzplatz hat im Frühjahr eine Amsel ein kunstvolles Nest gebaut, und an den Solarbrunnen nutzen kleine Vögel die vom System erzeugte Fontäne als Dusche.

Vom Hofbereich gelangt man nach hinten zur Streuobstwiese. Auf dem ursprünglich baumlosen Areal haben Heidi und Günter 2001 erst einmal Apfel-, Birn- und Kirschbäume sowie einen Walnuss- und einen Maulbeerbaum gepflanzt. Ein Sitzplatz fehlt auch hier nicht, aber er hat eine besondere Funktion. „Unser Besprechungsplatz, inklusive handyfreier Zone“, sagt Heidi. „Außerdem kann man hier wunderschöne Sonnenuntergänge erleben.“

Aber gibt es auch einen ‚richtigen‘ Garten? Natürlich; er liegt nur etwas versteckt an der Ostseite des Wohn-hauses. Das Besondere an ihm ist, dass er sich im vorderen Teil am Vorbild eines mittelalterlichen Kloster-gartens orientiert. Vier rechteckige, durch Wege von-einander getrennte und von Buchs gesäumte Beete sind um ein Zentrum angeordnet, das hier – durchaus außer-gewöhnlich – von einer Hochstammrose gebildet wird. In den Beeten wächst eine bunte Mischung aus Nutz- und Zierpflanzen, von Kräutern über Obst und Gemüse bis zu Lavendel, Stockrosen, Cosmeen und Gladiolen (je nach Jahreszeit).

Zur Entstehung des Gartens

Zum Zeitpunkt des Erwerbs des Anwesens (2000) war der Bereich, wo sich heute der Garten befindet, ein Feld, das mit der Fräse erst einmal gartentauglich gemacht werden musste. Im Zuge von Abrissmaßnahmen waren zahlreiche Steine übriggeblieben; mit ihrer unterschiedlichen Größe und Form bilden sie heute dekorative Bestandteile einer Trockenmauer bzw. dienen der Einfassung von Beeten. Auch die vier buchsgesäumten Beete des Klostergartens sind an den Außenseiten zusätzlich von alten Steinen umrahmt. Den Buchs hat Heidi übrigens selbst vermehrt. „Bisher hat er sich gut entwickelt und sich auch gut gehalten. Ich glaube, dass mir dabei auch die vielen Meisen und Spatzen geholfen haben.“ Damit spielt sie auf den Buchsbaumzünsler und eine natürliche Methode seiner Bekämpfung an: die kleinen Vögel lieben die proteinreichen Zünslerraupen und vertilgen sie, bevor sie Schaden anrichten können.

Der Gartenbereich außerhalb des Klostergartens

Während der Klostergarten streng geometrisch angelegt ist und seine Bepflanzung bestimmten Mustern folgt, gibt sich der restliche Garten lockerer, natürlicher, entspannter. Nicht umsonst steht an seinem Ende ein Bett – jawohl, ein richtiges Bett; Heidi nennt es ihr „Day Bed“, in dem sie sich ausruhen könnte, wenn sie denn einmal Zeit hätte. Aber Zeit hat eine Gärtnerin bekanntlich nie, und daher bleibt das Bett ungenutzt und ist mit Folie abgedeckt.

Unter den vielen Beeten sticht eines besonders hervor; es ist das „Wildwuchsbeet“, in dem Kräuter, Akelei, Ziersalbei, Margeriten und Lupinen in bunter Mischung wachsen. „Lupinen liebe ich sehr“, meint Heidi, „auch wenn sie zu den invasiven Pflanzen gehören. Aber sie blühen so schön.“ Der Wildwuchs bringt allerdings auch Probleme mit sich. „Wir haben hier unheimlich viele Schnecken. Und die fressen, was ihnen unterkommt.“

Nicht umsonst befindet sich daher direkt hinter dem Wildwuchsbeet ein kleines Gewächshaus. Heidi zieht hier u.a. Tomaten, Paprika und Gurken. Für die Übergangszeit hat sie sich im Übrigen eine interessante Art der Beheizung des Gewächshauses ausgedacht. Aus vier Backsteinen hat sie ein offenes Rechteck geformt und in die Öffnung zwei Grablichter gestellt. „Die Grablichter werden angezündet, die Backsteine heizen sich auf, das ergibt einen richtigen kleinen Ofen.“ Drei solcher ‚Öfen‘ hat sie im Gewächshaus stehen; so kann sie an kühlen Tagen dort gut arbeiten.

Was hat der Garten noch zu bieten? Neben einer roten Kletterrose (vgl. Bild hier und S. 4) sowie zahlreichen Zier- und Nutzpflanzen dürfen die Pfirsichbäume nicht unerwähnt bleiben. Zwei davon gibt es; einer wurde von Heidis Mutter vor rund 25 Jahren gepflanzt. Es ist eine alte Sorte, die wiederum von der Schwester des Opas stammt. Trägt dieser Pfirsichbaum denn noch Früchte? „Jede Menge“, sagt Heidi. „Von den beiden Bäumen haben wir im letzten Jahr 80 Kilo geerntet.“

Und noch ein Baum ist bemerkenswert: ein großer Holunder, der ganz am Ende des Gartens und damit, wie auch die anderen Holunder auf dem Anwesen, an einer Grenze steht. Diese Standortwahl ist typisch für Holunder, wie Heidi betont. Sie weiß auch, welche Bewandtnis es damit hat. „Man sagt, dass der Holunder Haus und Hof beschützt. Und das kann er am besten, wenn er an der Grenze wächst.“

Blick in den Hofbereich: Ein Tontopf als Hochbeet und die „Augenbraue der Venus“

Der Hofbereich mit seinen unterschiedlichen Räumen und Plätzen erfordert stets neue kreative Lösungen für Pflanzen-arrangements. Heidi zeigt stolz auf ihr jüngstes Pflanzprojekt, mit dem sie sich eine Art Hochbeet in den Hof geholt hat. Das ‚Hochbeet‘ ist aber ein mächtiger Tontopf, in dem Salat und Kräuter in direkter Nachbarschaft wachsen. „Das ist praktisch zum Pflücken“, sagt Heidi, „und die Schnecken haben den Weg zum Salat auch noch nicht gefunden.“ Auf engem Raum kann hier viel geerntet werden: neben Salat gibt es Salbei verschiedener Sorten, Majoran, Lavendel, Minze, Portulak und zum Naschen Walderdbeeren.

Rechts vor dem großen Tontopf steht ein ganz kleiner Topf. In ihm wächst Schafgarbe, eine der ältesten Heilpflanzen der Welt. Sie hat, wie Heidi weiß und durch Anlegen eines Zweigleins an ihre Augenbraue demonstriert, auch den Beinamen „Augenbraue der Venus“ – vermutlich, weil die Blätter so fein gefiedert sind, dass sie an eine Augenbraue erinnern.

Ein Arbeitsplatz mit Blumentreppe und ein Sonnenplatz für eine Echte Mispel

Im Hofbereich befindet sich auch der Arbeits- und Pflanzplatz von Heidi. Hier stehen Schubkarren, Töpfe mit Pflanzen und vieles mehr, was noch nicht seinen richtigen Platz gefunden hat. Unordnung herrscht hier jedoch nicht; alle Utensilien einschließlich des schweren Holztischs fügen sich wie zu einem Tableau zusammen. Malerisch ergänzt wird dieses Tableau durch eine Blumentreppe rechterhand, auf der Heidi Töpfe mit Stiefmütterchen dekorativ angeordnet hat (vgl. Bild unten).

Links vom Arbeitsplatz wächst ein auffallend großer Strauch. Es handelt sich um eine Echte Mispel, eine robuste alte Obstsorte. Heidi hat sich diese Rarität zum 50. Geburtstag gewünscht. Die Blüten sind wunderschön, erst weiß, dann roséfarben. Die Früchte sind haarig, ähnlich wie Kiwis, und haben an der Spitze ein ‚Krönchen‘ aus Kelchblättern. Das Besondere ist, dass die Früchte erst nach Frosteinwirkung genießbar sind. Heidi macht Saft aus ihnen; man kann sie aber auch zu Marmelade oder Kompott verarbeiten. Von der Echten Mispel profitieren übrigens auch Tiere: sie ist eine Schmetterlingsfutterpflanze und dient auch Eichhörnchen oder Igeln als Nahrungsquelle.

Das „Wäldchen“ mit der alten Linde

Angesichts der Vielfalt an Pflanzen verwundert es nicht, dass auf dem Grundstück auch ein kleiner Wald zu finden ist, und zwar direkt an der Straße, außerhalb des Hofbereichs. Im sog. „Wäldchen“ wachsen Ahorn, Haselnuss, Holunder, Wildkirschen, Flieder, Forsythien und eine Eibe.

Der eigentliche Clou ist aber eine mächtige alte Linde. Heidi führt Buch über den Baum: er ist zweistämmig; jeder Stamm hat einen Durchmesser von 190 cm, jedes Jahr kommen 0,8-1,5 cm dazu. Gepflanzt wurde die Linde vermutlich im Jahr 1873, als das Haus gebaut wurde.

Rosenschönheiten und Heidi als Rosenretterin

An vielen Stellen des Anwesens – im Hofbereich, im grünen Areal vor dem Garten und im Garten selbst – wachsen Rosen. Im Juni blühen sie herrlich und üppig. So sieht man etwa, wenn man von der Streuobstwiese in den Hof geht, eine rosalilafarbene Rose mit stark gefüllten Blüten, die noch dazu unwiderstehlich duftet. „Das war eine der ersten Rosen, die wir gepflanzt haben,“ sagt Heidi. „Sie erinnert mich an meine Kindheit.“ Dann gibt es, im Areal vor dem Garten, eine Rose mit elegant geformten weißen Blüten, die sich an einer Kiefer emporrankt. „Diese Rose war ursprünglich ganz kümmerlich“, meint Heidi. „Und jetzt blüht sie so wunderbar.“ Nicht weit entfernt steht eine Strauchrose mit zartrosafarbenen Blüten. Ihr kaskaden-artiger Wuchs bildet einen schönen Kontrast zur ausladenden Breite des Strauchs. Im eigentlichen Garten ist es eine tiefrote Kletterrose (Bild hier und S. 2), die die Blicke auf sich zieht.

Bei der Mehrzahl der Rosen handelt es sich um Pflanzen, die Heidi ‚gerettet‘ hat; d.h., es sind Rosen, die im Baumarkt oder an anderen Verkaufsstellen vor sich hin kümmerten und denen in der Regel die Tonne drohte. „Das finde ich unglaublich schade“, sagt Heidi, „daher versuche ich immer wieder, solche Pflanzen vor dem Aus zu retten.“

Es sind im Übrigen nicht nur Rosen, die eine zweite Chance bekommen. Auch Apfel-bäume zählen zu den geretteten Pflanzen, so etwa der Apfel, der im Klostergarten die Begrenzung nach Süden hin bildet. „Auch dieser Baum war im Baumarkt quasi am Verhungern. Und jetzt trägt er so reich.“

Damit sind wir am Ende unseres Rundgangs angelangt. Viel könnte Heidi noch erzählen. Aber sie winkt lächelnd ab und fasst das, was sie und Günter sich für die Zukunft für ihren Garten wünschen, in einem Satz zusammen: „Für alles, was wir tun, brauchen wir Raum, Zeit und Gottes Segen.“ Und dann fällt ihr noch etwas ein – schließlich sind wir hier im notorisch trockenen Mittelfranken: „Und Regen.“

Wir danken Heidi Ebersberger herzlich für das Gespräch und wünschen ihr und Günter weiterhin viel Freude mit dem Garten.

Text: Eva Leitzke-Ungerer
Fotos: Heidi Ebersberger (S. 1 sowie rote Rose S. 2 u. 4), Eva Leitzke-Ungerer (restliche Fotos)

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