Geschichte des Friedhofs der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Weidenbach

1.   Friedhof

1229 erste Erwähnung eines Gottesackers mit einem kleinen Häußlein in einem Lehensbrief des Bischofs Heinrich von Eichstätt.

1579/80 nachdem dieser ursprüngliche Friedhof neben der Kirche St. Georg in der Ortsmitte zu klein geworden war, errichtete man außerhalb des Dorfes einen neuen Friedhof, mit einer Mauer umgeben, dessen Eingang im Südosten lag, samt einer einer bescheidenen Kapelle mit einem kleinen Dachreiter.

1877 wurde der Friedhof wegen Platzmangel erweitert und der Eingang neben die Kapelle verlegt. Das schmiedeeiserne Tor mit den Initialen J und L wurde vom Inspektor und Vorstand der Kreisackerbauschule Julius Lampl (1799 – 1884) gestiftet.

Weitere Erweiterungen sind der Skizze zu entnehmen:

Legende:

blau: Friedhof von 1580, Fl.Nr 115 Fläche 0.245 ha
gelb: Zukauf 1877 Fläche 0,082 ha Ankauf von Andreas Breit Webermeister zu Weidenbach Nr. 27, heute Dorfstr.Nr. 26
rot: Leichenhalle erbaut 1910, die Flächen nordöstlich und südwestlich der Leichenhalle ist als Gemeindeacker bezeichnet
grau: Für die Verstorbenen des Lazaretts in Triesdorf angelegter Heldenfriedhof.
hellblau: aus Platzmangel wurde 1946 begonnen in der südwestlichen Ecke des  Friedhofs für die in der Gemeinde Weidenbach verstorbenen Flüchtlinge Gräber einzurichten
orange: um den Heldenfriedhof und den neuen Teil in den Friedhof einzuschließen, wurde 1946 die Mauer von 1877 teilweise abgebrochen und an der Grundstücksgrenze neu errichtet
grün: Erweiterung 1972/73, an der Grundstücksgrenze wurde eine Hecke angepflanzt, die Erstbelegung fand 1976 statt. Dort findet sich heute auch der naturbelassene Teil des Friedhofs für Urnenbestattungen.

 

2.      Kapelle (im Volksmund Käpele, bauamtlich „Begräbniskapelle“)

1670 wurde in der ursprünglichen Kapelle von christmilden Leuthen ein Altar aufgerichtet. Das Altarbild, die Kreuzigung Christi , und das Bild in der Predella, das letzte Abendmahl, hat der Hofmaler Christoph Fillisch (1628 – 1686) ebenfalls im Jahr 1670 gefertigt.

1711 wurde in der Kapelle wegen Platzmangel eine Empore mit einem außen liegenden Aufgang eingezogen.

1737 wurde die Kapelle im Auftrag des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich durch den Hofbaumeister Retty renoviert, vergrößert und im Stil der Kirche St. Georg angeglichen. In dem neu erstellten Turm hängt seit dieser Zeit eine Friedhofsglocke.

1760 erfolgte der Einbau einer Orgel; sie stand vorher im Andachtszimmer des Roten Schlosses. Die Orgel wurde 1910 durch einen Neubau ersetzt.

3.   Epitaphe und Grabmäler

Im Innenraum der Kapelle finden sich vier und an der südlichen Außenmauer der Kapelle fünf Epitaphe.

Im Innenraum:

  • Andreas Lodter 1651 – 1731 Brandenburgisch-Onoldsbacher Stiftsamon
  • Wilhelm Ernst Dentler 1769 – 1803 kgl. Preussischer Plantagenverwalter und Freiherr von Stein, kgl. Preussiscger Vice-Obristjägermeister
  • Johann Christoph Dietzel 1692 – 1757 Brandburgisch-Onozbacher Stallmeister
  • Johann Reinhard Fischer 1710 – 1744 Hochfürstlich Brandenburgisch-Onolzbacher Büchsenspanner, bei der Verfolgung von Deserteuren tödlich verwundet.

An der Außenwand:

  • Balthasar Gerhäuser 1556 – 1620 Bierbrauer, Gastwirt und Bäcker zu Weidenbach
  • Georg Grumbach 1766 – 1829 Bierbrauer, Gastwirt und Bäcker, auch Lammswirt zu Weidenbach
  • Eva Beuerlein (1587 – 1676), Ehefrau des H. Beuerlein, Brandenburgisch-OnolzbacherStiftsamon zu Weidenbach
  • Johann Martin Cronacher (1648 – 1689), Brandburgisch-Onolzbacher Stiftsamon zu Weidenbach
  • Katharina Müller (1744 – 1821), Ehefrau des Wundarztes Müller zu Weidenbach und Katharina Müller (1772 – 1733), Ehefrau des Landarztes Georg Ludwig Müller und des Sohnes David Alexander Müller (1819 – 1840)

In der Nähe des Epitaphes der Katharina Müller findet sich die Grabstätte des Georg Ludwig Müller (1779 – 1845), Landarzt zu Triesdorf, und seines Sohnes Alexander Müller (1828 – 1866), Bezirksveterinärarzt.

Daneben steht die Stele für die Brunnenmeister Johann Leonhard Hübner (1769 – 1832) und Johann Konrad Hübner (1798 – 1860) sowie deren Nachfahren Karl Wagner (1821 – 1903), Oekonomierat an der Kreisackerbauschule in Triesdorf, und Otfried Neupert (1932 – 2024) sowie seiner Ehefrau Renate (1932 – 2005).

4.   Leichenhalle

Der Nachfahre der Landarztfamilie Dr. Friedrich Müller, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität München, ließ dem Friedhof Weidenbach mehrere Spenden zukommen:

  • 1904 das Große Friedhofskreuz an der südlichen Friedhofsmauer
  • 1910 die Leichenhalle, die 1989 durch die Zustiftung der Apothekerswitwe Luise Springer aus Weidenbach erweitert werden konnte. Die Leichenhalle steht im Eigentum der Marktgemeinde Weidenbach.


Weidenbach, im Mai 2026

Werner Holzer